VBG-Prämienkatalog ab 2023 – Mit Warnsystemen Kollisionen vermeiden

Beim Betrieb von Flurförderzeugen ereignen sich immer wieder Sachbeschädigungen und schwere, auch tödliche Arbeitsunfälle, denn Personen und Objekte im Gefahrenbereich werden oft nicht rechtzeitig erkannt. Warnsysteme können das Kollisionsrisiko auf den Verkehrswegen minimieren und werden von der VBG gefördert.

Das Be- und Entladen eines Lkws führt oft zu kritischen Situationen, denn Flurförderzeuge (FFZ) und Menschen arbeiten auf engem Raum, es geht hektisch und unübersichtlich zu. Doch nicht nur Verladesituationen verlangen von allen Beteiligten höchste Aufmerksamkeit. Tote Winkel, schwer einsehbare Bereiche und Ablenkung durch Lärm sind ein permanentes Sicherheitsrisiko.

Gefährdungen durch mangelhafte Sicht

Gefahrensituation: Der Fahrer übersieht beim Rückwärtsfahren die Person hinter dem Gabelstapler.

FFZ dürfen nur gefahren werden, wenn das Fahrpersonal ausreichende Sicht auf die Fahrbahn hat oder eingewiesen wird (DGUV Vorschrift 68, Paragraf 12). Reicht die direkte Sicht auf den Arbeitsbereich nicht aus, um Personen und Objekte sicher zu erkennen, sind nach dem TOP-Prinzip vorrangig technische Maßnahmen festzulegen und umzusetzen. Beispiele für organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen finden Sie auf Seite 8 dieser Ausgabe. Geeignete technische Maßnahmen sind unter anderem Kamera-Monitor-Systeme (KMS) sowie Warn- und Sensoriksysteme.

Sicht und Sichthilfsmittel

KMS sind Hilfsvorrichtungen, um die Sicht zu verbessern. Sie sorgen für mehr Sicherheit im Arbeits- und Bewegungsbereich mobiler Maschinen. Die Systeme unterstützen dabei, die Gefahrenzonen vor, hinter und um eine mobile Maschine herum zu überwachen – sowohl bei Fahrbewegungen als auch bei Bewegungen von An- und Vorbaukomponenten. KMS lassen sich in der Regel unproblematisch nachrüsten. Bei der Montage des Displays ist auf eine ergonomisch sinnvolle Position zu achten. Es darf die direkte Sicht auf den Fahr-, Arbeits- und Gefahrenbereich nicht einschränken. Außerdem dürfen keine Bedienelemente verdeckt werden.

Kamerasysteme zur Front- und Rückraumüberwachung unterstützen das Fahrpersonal bei der Sichtverbesserung in Fahrgassen vor beziehungsweise hinter dem FFZ. Am Gabelträger montierte Kameras und spezielle Zinkenkameras können dem Fahrpersonal zusätzliche Sichtbereiche ermöglichen, zum Beispiel unterhalb der Staplerladung. Noch mehr Sicherheit bieten diese Systeme, wenn sie mit einer automatisch aktivierbaren Rückfahrkamera kombiniert werden. Durch kabellose Funkverbindungen wird das Verlegen von Kabeln vermieden.

Kamera-Monitor-Systeme Bieten Rundumsicht 

Die „intelligente Warnweste“ macht ihren Träger durch Lichtsignale, Vibrationen und Töne auf Gefahren aufmerksam und sorgt so für maximale Sicherheit in Innen- und Außenbereichen.

Weiterentwickelte KMS ermöglichen 270- bis 360-Grad-Rundumsichten. Der große Vorteil besteht darin, dass sich alle relevanten Bereiche um das FFZ herum gleichzeitig darstellen lassen. In der einfachsten Variante werden die Bilder von vier Standardkameras zu einer Rundumsicht arrangiert und auf dem Monitor neben- und übereinander angeordnet angezeigt. Bei der Rundumsicht in Vogelperspektive werden zeitgleich erzeugte Digitalbilder der Kameras per Video-­Stitching weiterverarbeitet. Bei diesem Verfahren entsteht ein großes 360-Grad-Gesamtbild aus verschiedenen kleineren Einzelaufnahmen. Werden die Bilddaten der Umgebung mit den 3-D-Bilddaten des FFZ zusammengeführt, entsteht eine real wirkende 3-D-Darstellung des arbeitenden FFZ in seiner Umgebung.

Warn- und Sensoriksysteme

Da ein dauerhaft konzentriertes Arbeiten mit KMS nicht möglich ist, schaffen Objekterkennungssysteme zusätzliche Sicherheit. Warn-/ Sensoriksysteme unterstützen die Personen- und Objekterkennung beim Einfahren/Arbeiten in unübersichtlichen und nicht einsehbaren Bereichen. Je nach Anforderungsprofil kommen unterschiedliche sensorische Systeme zum Einsatz:

  • Die tragbare Einheit warnt Personen durch Tonsignale, LED-Leuchten und Vibration vor nahenden Flurförderzeugen.

    Ultraschallsysteme können Objekte präzise erfassen und ermöglichen dadurch ein kontinuierlich überwachtes Annähern, beispielsweise von Fahrzeugen oder Staplern an Übergabepunkten der stationären Fördertechnik.

  • Radarsysteme detektieren Personen und Objekte auch bei Dunkelheit, Nebel, Rauch und schlechten Sichtverhältnissen sehr zuverlässig.
  • Proaktive Transpondersysteme auf Funkbasis warnen das Bedienpersonal und die sich der Gefahrenzone nähernden Personen durch optische und/oder akustische Signale.
  • 3-D-Kamerasensoren ermöglichen es, Objekte mittels einer Aufnahme drei­dimensional zu erfassen. Gefahren können objektspezifisch klassifiziert, deren Position und Volumen bestimmt und in Systemen mit Fahrerassistenzaufgaben genutzt werden.
  • Light Detection and Ranging (LiDaR-Systeme) erfassen die Umgebung mittels Laser­sensoren. Eine Steuer­einheit verarbeitet und signalisiert entsprechend der Objekt­detektion innerhalb des Warn- oder Stoppfelds.

Fahrzeug automatisch bremsen oder stoppen

Digitale Prozesse können Informationen von mehreren Sensoren integrieren. Die parallel erfassten Messdaten von zum Beispiel einer Kamera, einem Ultraschallsensor und einem Radarsystem werden zeitgleich ausgewertet. Die Überlagerung der Sensorsignale steigert die Zuverlässigkeit in der Erkennung von Gefahrensituationen. Mit dem Ergebnis kann ein vorher definierter Systemeingriff ausgelöst werden – zum Beispiel ein autonom herbeigeführtes Brems- oder Ausweichmanöver, um erkannte Personen zu schützen und das System wieder in einen sicheren Zustand zu bringen.

Bericht aus der Praxis

Welche Vorteile ergaben sich aus der Einführung Ihres Transpondersystems?

Der gesamte Gefahrenbereich wird rundherum erfasst. Jedes Warnsignal lässt sich eindeutig zum Aufenthalt einer Person im Umkreis zuordnen. Da sich die Funkwellen vollflächig ausbreiten, können auch Personen sicher erkannt werden, die von Hinder­nissen verdeckt sind. Über die Förderung im Rahmen des VBG-Prämien­verfahrens haben wir uns zusätzlich gefreut.

Wie aufwendig waren der Einbau und die Inbetriebnahme?

Wir haben das System an unseren Radladern und Schleppern durch den Systemhersteller installieren und konfigurieren lassen. Das hat einen Tag in Anspruch genommen. Die Beschäftigten wurden mit Sensoren ausgestattet, um jederzeit von den Maschinenführern erkannt werden zu können. Zudem mussten wir die Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisungen aktualisieren und alle Beschäftigten nicht nur in der Funktionsweise des Systems, sondern auch in den Verhaltensregeln unterweisen.

Wie wirkt sich das auf die Zusammenarbeit mit Fremdfirmen aus?

Auch Beschäftigte von unseren Haus- und Hof-Speditionen haben die entsprechenden Sender erhalten. Für Dienstleister, die sich auf unserem Betriebsgelände aufhalten, liegen Sender im Werksbüro bereit.

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