Personen-Notsignal-Anlagen – Erste Hilfe bei Alleinarbeit

Wenn Beschäftigte allein an abgelegenen Orten im Unternehmen arbeiten, können spezielle Personen-Notsignal-Systeme für mehr Sicherheit sorgen.

Ob gewollt oder nicht: Es passiert schnell, dass sich Beschäftigte bei der Arbeit außerhalb von Ruf- und Sichtweite anderer Personen aufhalten. Wichtig ist dabei, dass jederzeit eine effektive Erstversorgung im Notfall sichergestellt wird. Um die Folgen eines Unfalls möglichst gering zu halten, ist vor allem der Faktor Zeit entscheidend. Dieser wird in der DGUV Information 212-139 „Notrufmöglichkeiten für allein arbeitende Personen“ in zwei Aspekte unterteilt. So geht es um die Zeit bis zum Auffinden einer Person, die sich in einer Notlage befindet, und zusätzlich darum, wie lange es dauert, bis Rettungskräfte nach deren Alarmierung vor Ort eintreffen. Diese Zeitspanne ist durch das Unternehmen nicht zu beeinflussen. Jedoch muss es diesen Aspekt berücksichtigen, wenn Beschäftigte beispielsweise auf einem entfernten Außengelände oder an weit im Unternehmen verteilten Materialförderanlagen tätig sind. Für das Unternehmen kommt es vor allem darauf an, die Zeitspanne bis zu einer Alarmierung so gering wie möglich zu halten. Das lässt sich durch den Einsatz technischer Hilfsmittel erreichen.

Notruf-App oder PNA

Die DGUV Publikation „Fachbereich AKTUELL FBPSA-012“ zeigt Szenarien, bei denen die Nutzung einer kommerziellen Notruf-App auf einem mobilen Endgerät oder der Einsatz einer mobilfunkgestützten Personen-Notsignal-Anlage (PNA) die notwendige Sicherheit liefert. Die Nutzung beider Hilfsmittel ist nur sinnvoll, wenn die Alleinarbeit nicht nur minutenweise stattfindet und auch ein entsprechendes Gefahrenpotenzial vorliegt. Letzteres kann einerseits aus der Tätigkeit resultieren, bei welcher Beschäftigte unter anderem abstürzen, versinken oder verschüttet werden könnten beziehungsweise enge Räume betreten werden müssen. Andererseits lässt sich auch auf Wegen zu abgelegenen Orten, wo sich im Regelfall keine anderen Beschäftigten aufhalten, das Sicherheitsniveau durch den Einsatz technischer Lösungen erhöhen. Somit ist wie so häufig eine individuelle oder auch situative Abschätzung möglicher Gefährdungen durchzuführen, um adäquate Schutzmaßnahmen ableiten zu können. Das können beispielsweise folgende Lösungen sein:

  • Verbot der Alleinarbeit,
  • konstante Kameraüberwachung,
  • permanente Ortung,
  • Aktivierung willensunabhängiger Alarme (aus­gelöst durch Sensoren zu Beschleunigungen oder Vital­funktionen) sowie
  • reine Notruf-App, die von den Beschäftigten selbst ausgelöst wird.

Daran knüpfen sich ebenfalls die Auswahl der zu alarmierenden Stelle und die Sicherstellung der Übertragung eines Alarms an.

Drei Fragen an den Experten

Was sind die wichtigsten Maßnahmen im Umgang mit Alleinarbeit?

Kommunikation und verlässliche Absprachen mit anderen. Sobald weitere Personen Ort und Dauer der Tätigkeit kennen, ist die Sicherheit bereits deut­lich erhöht. Wichtig sind auch Informationen über den Weg dorthin und die Erreichbarkeit während des Einsatzes.

In welchen Fällen ist der Einsatz technischer Lösungen ratsam?

Angesichts der Vielzahl kosten­günstiger Lösungen für das Hand­gelenk oder die Hosentasche ist deren Anwendung bereits bei geringen Risiken empfehlens­wert: Denn ein Notfall kann auch ohne Unfall eintreten!

Welchen Tipp haben Sie zum Einsatz technischer Lösungen?

Auf jeden Fall muss vor der Verwendung geklärt sein, ob die Alarmierung und Ortung zuverlässig funktionieren. So kann zum Beispiel ein GPS-Signal in Gebäuden gestört sein. Dann wäre eine PNA mit zusätzlicher Funk­tio­nali­tät angebracht.

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