Flachglasentladung – Gefährliche Schräglage

Ein ungeplanter Ablauf, fehlende technische Hilfsmittel und eine improvisierte Entscheidung führten bei der manuellen Entladung von Flachglas zu einem schweren Arbeitsunfall.

Ein Unfall aus der Flachglasbranche verdeutlicht exemplarisch, wie schnell sich Risiken beim Transport schwerer Lasten potenzieren, wenn die handelnden Personen von vereinbarten Abläufen abweichen.

Abweichender Ablauf

Ein Glashersteller lieferte Flachglas mit einem 7,5-Tonnen-Lkw aus, der weder über einen Ladekran noch über ein mitgeführtes Flurförderzeug verfügte. Im Vorfeld war vereinbart worden, dass der Empfängerbetrieb die Entladung mithilfe eines geeigneten Flurförderzeugs durchführen sollte. Da der Lkw nicht in den Betriebshof einfahren konnte, musste er auf einer schmalen, unebenen und geneigten Kopfsteinpflasterstraße abgestellt werden. Hinzu kam, dass beim Eintreffen des Fahrzeugs das vereinbarte Flurförderzeug nicht zur Verfügung stand. Stattdessen entschied der Kunde, das Flachglas durch seine eigenen Mitarbeitenden manuell vom Transportgestell abnehmen zu lassen.

Manuelle Entladung

Zum Entladen wurde die Transportsicherung, welche als Umreifung ausgeführt war, zerschnitten. Dadurch war der Glasstapel nicht mehr gegen Kippen gesichert. Während des händischen Abnehmens durch die Beschäftigten des Kunden näherte sich der Lkw-Fahrer kurzzeitig dem Transportgestell, um die noch zu entladende Stückzahl zu ermitteln. Genau in diesem Moment begann der Glasstapel zu kippen und stürzte auf den Fahrer, der dabei verletzt wurde.

Die Unfallanalyse ergab, dass mehrere Faktoren zusammenwirkten. Die Straße wies eine Neigung von etwa neun Prozent auf und hob damit nahezu die konstruktive Standneigung des Transportgestells auf. Gleichzeitig fehlten geeignete technische Hilfsmittel zur Entladung. Durch das Lösen der Umreifung war der Glasstapel ungesichert. Zudem hielten sich Personen im unmittelbaren Gefahrenbereich vor dem Gestell auf. Wie bei vielen vergleichbaren Unfällen wurde die Bedeutung von Untergrundbeschaffenheit und Sicherung des Glaspakets für die Standsicherheit der Ladung deutlich unterschätzt.

Vermeidbarer Unfall

Der Unfall wäre vermeidbar gewesen, wenn die Entladung bei fehlenden sicheren Rahmenbedingungen konsequent abgebrochen worden wäre. Das manuelle Entladen von Flachglas direkt vom Lkw sowie das Lösen von Umreifungen ohne Überprüfung des Neigungswinkels stellen erhebliche Sicherheitsrisiken dar und sind nicht zulässig.

Lehren für die Praxis

  • Flachglas ausschließlich mit geeigneten technischen Hilfsmitteln entladen
  • Glasgestelle nur auf ebenem, tragfähigem Untergrund abstellen
  • Umreifungen erst lösen, wenn der Glasstapel stabil steht und der Neigungswinkel eingehalten wird
  • Gefahrenbereiche vor und neben Glasgestellen konsequent freihalten
  • Abweichungen vom geplanten Ablauf organisatorisch regeln und im Zweifel die Arbeiten abbrechen

Drei Fragen an den Experten

Was sind die wichtigsten Maßnahmen im Umgang mit Alleinarbeit?

Kommunikation und verlässliche Absprachen mit anderen. Sobald weitere Personen Ort und Dauer der Tätigkeit kennen, ist die Sicherheit bereits deut­lich erhöht. Wichtig sind auch Informationen über den Weg dorthin und die Erreichbarkeit während des Einsatzes.

In welchen Fällen ist der Einsatz technischer Lösungen ratsam?

Angesichts der Vielzahl kosten­günstiger Lösungen für das Hand­gelenk oder die Hosentasche ist deren Anwendung bereits bei geringen Risiken empfehlens­wert: Denn ein Notfall kann auch ohne Unfall eintreten!

Welchen Tipp haben Sie zum Einsatz technischer Lösungen?

Auf jeden Fall muss vor der Verwendung geklärt sein, ob die Alarmierung und Ortung zuverlässig funktionieren. So kann zum Beispiel ein GPS-Signal in Gebäuden gestört sein. Dann wäre eine PNA mit zusätzlicher Funk­tio­nali­tät angebracht.

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